Vollmondkind

Schreib-Setup mit Laptop, Kaffeetasse und Brille
Autorin Kerry McKilroy bei der Arbeit.

Das Plotgutachten gibt den offiziellen Startschuss

Nachdem das Plotgutachten schneller als gedacht aus dem Lektorat Heimathafen zu mir zurückgesegelt kam, beginnt nun die eigentliche Arbeit: das Schreiben.

Wird es mir gelingen, endlich eine Schreibroutine in meinem vollgepackten Alltag zu integrieren? Welche anderen Projekte verlangen ebenfalls meine Aufmerksamkeit? Wie lange werde ich mich an meinen eigenen Kapitelplan halten?

Schließlich entsteht beim Schreiben immer eine ganz spezielle Dynamik, Protagonisten haben ihren eigenen Kopf und erst jetzt entscheidet sich, ob ein Szenenplan wirklich funktioniert.

Dennoch habe ich mir fest vorgenommen, eine Schreibroutine einzuführen. Für Oktober habe ich einen Slot für den 1. Lektoratsdurchgang geblockt. Wir alle wissen, dass die Zeit rast und so schwer es mir fällt, das einzugestehen: 

Meine Textfragmente sind weit entfernt von einem lektoratsfähigen Manuskript…

8 Wochen seit dem Plotgutachen - eine erste Zwischenbilanz

Beginnen wir mit den ungeschönten, nüchternen Zahlen, Stand am 31. Mai 2026:
ca. 30 Kapitel
ca. 45k Wörter 
auf 124 Seiten in Word geschrieben

Nach Erhalt des Plotgutachtens bin ich Ende März hochmotiviert in die Schreibphase gestartet. Endlich hatte ich einen Plan! Der zeitliche Rahmen und die wichtigsten Daten standen fest, die Höhepunkte innerhalb der Handlung waren klar und anhand des Kapitelplans wusste ich ziemlich gut, wann was passieren sollte. 
Doch schneller als befürchtet machte mir ein wichtiger Faktor einen Strich durch die Rechnung: die Zeit. Sowohl in meinem Job, als auch familiär und gesundheitlich gab es einige unvorhergesehene, unschöne Ereignisse. Ich musste improvisieren, meine Nachmittage und Abende waren plötzlich voll, genau wie mein Kopf. Zeit zum Schreiben war wieder Mangelware. In den seltenen ruhigen Momenten fiel es mir unheimlich schwer, wieder in den Flow zu kommen.

Natürlich sind solche Phasen sehr frustrierend. Selbst wenn der innere Wecker für die Deadline noch nicht so laut tickt, jeder Tag ohne Fortschritt erhöht den Druck. Ungeplant habe ich einen Ausweg gefunden. Bei einem längeren Frisörbesuch hatte ich mein Notizbuch dabei, weil ich nicht mit Laptop oder Tablet dasitzen wollte. Und plötzlich flossen die Worte aus meinem Kopf aufs Papier. Zum ersten Mal waren die Strähnen schneller durchgezogen als mir recht war. Es war eine Szene irgendwo mittig im Plot, also meilenweit von meinem aktuellen Status Quo entfernt. Aber plötzlich war sie da und ich hatte erst Ruhe, als ich sie fertig aufgeschrieben hatte. Danach erfüllte mich ein lang vermisstes Hochgefühl und die Erkenntnis: Ich kann es noch!

In der Folge habe ich meine Schreibroutine (sofern man das schon so nennen darf) umgestellt: wenn es gut läuft, orientiere ich mich an meinen Szenenplan und schreibe chronologisch in meinem Worddokument. Sobald es hakt, greife ich zu meinem Notizbuch und denke an wichtige Szenen im späteren Plot. Diese entwerfe ich handschriftlich, in der Hoffnung, dass ich meine gekritzelten Notizen noch lesen kann, wenn sie ins Manuskript einziehen dürfen. So sind in den letzten Wochen schon mehr als fünf Szenen entstanden, die darauf warten abgetippt zu werden. 

Was ebenfalls hilft: automatisiertes Schreiben. Also einfach drauflos tippen, ohne Rechtschreibung, Grammatik oder Füllwörter (o.ä.) zu korrigieren. Denn das hemmt den Flow. Man investiert wertvolle Zeit und Energie in einen Feinschliff, der nicht dringend ist. Im schlimmsten Fall muss man unterbrechen, bevor sich die Idee vollständig entwickeln konnte, oder man verliert komplett den roten Faden. Außerdem sind solche Textstellen in Rohfassung ein super Wiedereinstieg nach einer längeren Pause. 

Eine zweiwöchige Krankschreibung wegen einer OP am Fuß hat natürlich geholfen und wertvolle Zeit zum Schreiben geschaffen. Ich hoffe sehr, dass sich auch mit Rückkehr in den Job noch genug Zeitfenster finden, um weiterzumachen.

Und wie geht es meinem Szenenplan?
Es ist ein gutes Gerüst, aber natürlich habe ich schon erste Änderungen vorgenommen. Ich habe beim Schreiben gemerkt, dass sich einer der Konflikte nicht richtig anfühlte. Also tausche ich für eine meiner Figuren ein langsames Leiden in eine böse Überraschung. An anderer Stelle steht einer meiner Charaktere deutlich früher für sich selbst ein, als ursprünglich gedacht. Mal sehen, wann ich seinen Gegenpart zur Vernunft kommen lasse. Ach ja, und eine Namensänderung gibt es auch schon … tschüss Noelle, willkommen Nelly.  

Die erste Zwischenbilanz ist also genauso wechselhaft wie das Wetter in den vergangenen Wochen. Aber der Spaß am Schreiben ist zurück. Die Geschichte nimmt Fahrt auf und entwickelt sich komplexer als es für EINEN Fortsetzungsband gut ist. 

Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

noch 140 Tage bis zum 1. Lektorat …